Montag, 11. Juli 2016

Die Reisemaus

Hallo!

Wir wissen alle, dass ich auf diesem Blog kaum noch was hochlade und das tut mir leid. Meine Zeit in Ghana ist eben vorbei und damit auch meine Erlebnisse zwischen Kochbananen, Obronidasein und dem Warten auf ein volles Trotro.
Das heißt aber nicht, dass es von mir nichts mehr zu hören gibt und ich komplett untertauche - ganz im Gegenteil!

In letzter Zeit reise ich ziemlich viel durch die Gegend und erlebe immer wieder spannende Dinge, die ich mit dir teilen will. Mir macht es einfach Spaß, meine Erlebnisse aufzuschreiben und immer wieder neue Leute kennenzulernen, weil sie dasselbe Hobby haben wie ich!
Aber weil das Ganze nicht mehr nur in Ghana passiert, sondern an diversen Orten, habe ich dafür einen passenden Blog eröffnet! Auf

http://die-reisemaus.blogspot.de/

versorge ich dich weiter mit meinen Erzählungen, Reiseerlebnissen und kulturellem Wissen. Gleiches Prinzip, nur der Name ist anders (Außerdem bemühe ich mich um mehr anschauliche Bilder).
Ich hoffe, du hast Lust auf noch mehr Rumreisen mit mir, denn ich habs auf jeden Fall!

Also in dem Sinne sehen wir uns bald wieder!

deine Patricia

Samstag, 18. Juni 2016

Mepe Ghana paa

Drei Monate?!
Sind es wirklich schon drei Monate?
Das kann nicht sein!

Ich sags gleich vorneweg: Es tut mir leid.
Es ist fast drei Monate her, dass ich das letzte Mal was auf meinem Blog veröffentlicht habe. Aber um ehrlich zu sein, gabs auch nicht mehr so viel über Ghana zu berichten. Schließlich bin ich ja nach Hause zurückgekehrt und habe damit auch meinen mehr-oder-weniger-Alltag ohne exotische Ereignisse wiedergewonnen. Außerdem musste ich mich gedanklich erstmal ganz weit von meiner Zeit in Ghana distanzieren.
Weshalb? Naja, es gab mehrere Dinge, die mich ganz schön mitgenommen und mir damit eine sehr negative Haltung gegenüber Ghana gegeben haben. Ich spreche hier vor allem darüber, was für ein abgekartetes Spiel Entwicklungsarbeit in Wirklichkeit ist. Und zwar von allen Seiten. Der deutschen Regierung, den NGOs, der ausländischen Regierung und auch deren NGOs. Geld ist dort das einzige was zählt und ich wurde unwissentlich und ungewollt Teil dieser Masche.
Außerdem ist mir meine Position als "reicher Obroni" in der Weltpolitik klar geworden und die ist leider genauso extrem, wie der Ausdruck klingt. Wir in der westlichen Welt sind reich und brauchen uns ja nicht darüber aufregen, dass das Geld erst nächstes Jahr für einen Neuwagen reicht, die Verpackung unserer Lieblingskekse im Supermarkt zerbeult ist oder das Wetter schon wieder Regen mit sich bringt. Für alles haben wir genug Lösungen, aber auch genug Zeit, um uns darüber aufzuregen. Ist gibt ja keine größeren Probleme.     #firstworldproblems
Und genau das weiß die Bevölkerung von Entwicklungsländern auch, schließlich sehen sie es jeden Tag in amerikanischen Filmen etc.
Aber der schlimmste Grund, weshalb ich erstmal auf Abstand von Ghana gehen musste, war mein Gastvater. Der sich mein Vertrauen erschlichen hat und mich auf Händen getragen hat, nur weil er genug wusste, dass er so am ehesten an meine finanzielle Unterstützung kommt. Diese Erkenntnis war für mich ein Tritt in die Magenhöhle, denn er war meine einzige Vertrauensperson im Ausland und hat das vollkommen ausgenutzt. Vielleicht, bestimmt war ich auch ziemlich naiv und du denkst dir, ich hätte mir das doch denken können. Aber um ehrlich zu sein, war ich so froh, überhaupt EINE ehrliche Person gefunden zu haben, dass ich alles Weitere nicht hinterfragt habe. Außerdem war er schon ziemlich oft in den USA und das war für mich praktisch ein Beweis für seinen guten Willen. Pustekuchen.

Auf jeden Fall habe ich jetzt einige Zeit nicht mehr an Ghana gedacht, meinen europäischen "Luxus", der er nunmal einfach ist, genossen und im Traum nicht daran gedacht, jemals wieder einen Fuß auf ghanaisches Staatsgebiet zu setzen.
Bis vorgestern.
Da hatte ich nämlich spontan richtig Lust auf mein Lieblingsgetränk Sobolo. Ja genau, dieses dunkelrote Gesöff aus Hibiskusblüten, Ingwer und Pfeffer.
 
Zum Glück habe ich aus Ghana eine Portion getrocknete Hibiskusblüten mitgenommen und konnte mir direkt 3 Liter Sobolo kochen. Es hat mir soo viel Spaß gemacht und allein der Geruch von aufgekochtem Hibiskus ist ein Traum. Als ich dann den ersten Schluck noch heißen Sobolo probiert habe, hat mein Herz schon fast gestochen, weil so viele schöne Erinnerungen an Ghana in mir aufkamen.
Wenn du übrigens auch mal Sobolo kochen willst, findest du das Rezept auf meinem Blog: http://ghanasvibes.blogspot.de/2016/03/sobolo-scharfer-hibiskussaft.html 
 Getrockneten Hibiskus gibts günstig auf Amazon:
 https://www.amazon.de/dp/B0153VUKIM/ref=wl_it_dp_o_pC_nS_img?_encoding=UTF8&colid=1GATED0II538S&coliid=I3CVDHX6741IQR

 Und damit hat der ghanaische Throwback gerade erst angefangen.
Eine Freundin von mir ist noch in Ghana und sie habe ich dann sofort angefixt, mir ein paar Klopse Banku aus Ghana mitzubringen. Ja genau, ich meine diese Bälle aus gesäuertem Mais. Die Herstellung dauert ewig und rentiert sich für eine Person einfach nicht. Außerdem wäre das eine riesige Sauerei. Also hol ich mir das Original aus Ghana. Ob das gegen das Einfuhrgesetz von Lebensmitteln ist, weiß ich nicht, aber ich glaube es nicht.
Spätestens dann, als ich sogar angefangen habe, leise vor mich hin auf Fanti zu murmeln, war es für mich klar. Ein Stück Ghana ist immernoch in mir.
Und ich glaube, das ist auch gut und richtig so. Weil meine Zeit in Ghana mir Vieles beigebracht hat, was mein Umfeld in Deutschland einfach nicht verstehen kann, weil es eine ganz andere Welt ist.  Weil ich dort Erfahrungen gesammelt habe, die mir einen anderen Blick auf mein Leben gegeben haben. Und weil ich Dinge erlebt und ausprobiert habe, die ich hier sogar vermisse.
Ein Teil von mir ist ghanaisch und das verstehen sie nicht, weil sie nicht wissen, dass diese Angewohnheit aus Ghana kommt.

Und um ehrlich zu sein, ist Ghana schon ziemlich cool. Ich vermisse es, dass niemand auch nur übers Wetter spricht, geschweige denn sich darüber beschwert, weil es sowieso immer dasselbe ist. Ich vermisse es, dass Essen etwas ganz Besonderes ist, obwohl die Auswahl und Zutaten nicht sehr außergewöhnlich ist. Ich vermisse es, dass die Menschen hoffnungslos hoffnungsvoll sind und einfach immer glauben, dass ihnen bald was Gutes widerfahren wird. Optimismus pur. Dagegen sind Europäer immer pessimistisch, obwohl sie alle Möglichkeiten haben und dazu auch noch die besten Voraussetzungen. Außerdem vermisse ich es, dass das Hauptgesprächsthema nicht Promis oder aussichtslose Politik ist, sondern simpler Dorftratsch. Absolut irrelevant und trotzdem unterhaltsam.

Ich will damit nicht sagen, dass ich das Leben in Deutschland gerne aufgeben würde, aber ich habe mich damit arrangiert, was ich in Ghana erlebt habe. Und ich kann mir mittlerweile sogar gut vorstellen, mal wieder nach Ghana zu fliegen. Nicht um dort lange zu leben, aber um Urlaub zu machen, mich ins Chaos zu stürzen und meinen Körper mit Sonne und ghanaischer Küche zu verwöhnen. Ich habe einfach eingesehen, dass ich Ghana eigentlich wirklich mag, oder auf Fanti: Mepe Ghana paa!


Also mach dich auf was gefasst, Ghana!

Patricia




Freitag, 1. April 2016

Zurück in Deutschland – back to basics?


Ich bin jetzt seit knapp einer Woche wieder in Deutschland und obwohl das noch gar nicht so lange ist, ist schon viel passiert. Außerdem sind mir paar Dinge aufgefallen, an denen ich dich gerne teilhaben lassen will. Und auch meine ersten Erfahrungen daheim will ich mit dir teilen.

Es war schon komisch als ich am Flughafen in München aus der Maschine gestiegen bin. Draußen hatte es 2 Grad und alle anderen Passagiere trugen Winterjacken, Stiefel und ernste Gesichtsausdrücke. Ich dagegen trug Turnschuhe, einen semi-warmen Pullover und Tropenbräune auf den Wangen. Mein Vater hat mich abgeholt und dann ging es auch schon auf die Autobahn. Grünflächen, Rasthöfe und Bäume ohne Laubkleid flitzten am Fenster vorbei und dazwischen lag nicht ein Wasserbeutel. Ich konnte es kaum glauben, dass nirgends Müll lag und der Straßenrand nicht in Regenwald, sondern in Ackerflächen überging. Außerdem diese Ruhe! Mein Vater ist kein großer Redner, also war es so still im Auto, dass ich das leise Rauschen des ebenen Asphalts unter den Winterreifen hören konnte. Wir kamen daheim an und obwohl ich in unserem Flur stand, konnte ich es immer noch nicht glauben.
„Mama, war mein Zimmer schon immer so groß?“ Ich hätte schwören können, es war früher 5qm kleiner und dafür lege ich auch noch heute meine Hand ins Feuer.  Alles war so sauber, ordentlich und kalt. In Kojos Haus war es immer dunkel, leer, stickig und trotzdem beengend und dann komm ich in unsere Wohnung und sie sieht offen, lichtdurchflutet und RIESIG aus. Mir kommen noch jetzt alle Wohnsiedlungen, Straßen und Räume riesig vor, weil es überall aufgeräumt und luftig ist. Viele Bäume, Wiesen und gepflasterte Wege.
Dann ging es zum Osteressen zu meiner Oma. Ich kann es nicht in Worte fassen, wie es war, meine Familie wieder zu sehen, aber ich habe mich schon lange nicht mehr so präsent und lebendig gefühlt. Geliebte Stimmen, Umarmungen und anregende Gespräche überall um mich herum. Das Essen war super lecker. Auch, weil die bekannten Aromen sofort Erinnerungen an meine Zeit vor Ghana in mir geweckt haben. Wir waren danach spazieren, auch etwas, das man in Ghana nicht macht. Obwohl es verdammt kalt für mich war, habe ich es genossen und meinen Körper am Abend mit einem heißen Bad wieder aufgewärmt. Du glaubst kaum, wie gut sich heißes Wasser nach 8 Monaten auf der Haut anfühlt! Als meine Familie schlafen ging, habe ich mich auch ins Bett gelegt und obwohl ich nicht müde war, bin ich ruckzuck zwischen der weichen Matratze und der warmen Decke eingeschlafen.
Erst am nächsten Morgen habe ich begriffen, dass ich jetzt endgültig daheim bin. Seitdem schaue ich mehrmals täglich in den Briefkasten – einfach nur, weil wir einen haben. Außerdem  fahre ich wieder Fahrrad, weil Autofahren faul und Laufen zu langwierig ist. Und es tut verdammt gut! Außerdem genieße ich die Vorteile von Glasfenstern – absolute Ruhe. Es gibt so viele Dinge, die etwas Besonderes für mich sind. Musik auf Youtube anhören, jederzeit Autofahren KÖNNEN, volle Regale und eine riesige Auswahl im Supermarkt, zig verschiedene Brotsorten, Büchereien, viele Gesprächspartner und natürlich einen Kleiderschrank. In Ghana bestand meine Garderobe aus 12 Teilen und dort war das ausreichend für mich, aber hier genieße ich es, mich jeden Tag meiner Stimmung gemäß anziehen zu können. Das ist Lebensgefühl! Außerdem koche ich, wonach mir gerade der Sinn steht, weil wir alles daheim haben! Hast du dir schon mal überlegt, wie luxuriös eigentlich Variationen, Möglichkeiten und Freiheiten sind? Auch die Möglichkeit, gewollt minimalistisch zu leben?  Trotzdem ist mir auch das ein oder andere aufgefallen, das ich kritisiere.
Äußerlichkeiten
Ich dachte ja immer, ich müsse mich schminken und trendige Kleidung tragen, weil die Medien und die Gesellschaft es mir so vorgelebt haben. Und mal ehrlich, welche Frau trägt heutzutage bitte keinen Mascara? Ich zum Beispiel. Ich habe für mich erkannt, dass ich kein Makeup benutzen muss, das meiner Haut oder Gesundheit schadet, weil ich mich ohne sowieso schöner fühle. Dafür benutze ich jetzt viel Lippenstift, weil ich in Ghana gelernt habe, dass ich stolz auf meine Weiblichkeit sein darf. Und blutrote Lippen empfinde ich als sehr weiblich, stolz und selbstsicher.
Was Kleidung angeht, habe ich gelernt, dass Trends nichts für mich sind. Sie spiegeln den Zeitgeist, jedoch nicht die Persönlichkeit des Trägers wider. Ich trage lieber das, was meinen Charakter betont und möglichst lange mein Lieblingsstück sein kann - statt nur eine Saison lang.
Konsum
Das hat natürlich auch was mit Kleidung zu tun. Da stand ich erst gestern beim H&M an der Kasse und die meisten Leute hatten bergeweise Klamotten auf den Armen. Da frag ich mich doch, wie lange sie diese Dinge wirklich tragen werden. Ich dagegen habe nur ein paar einfache Stücke nachgekauft, die mir in Ghana kaputt gegangen sind – Basics. Das sind aber auch Teile, die ich auftragen werde bis es nicht mehr geht. Nichts gegen den Genuss von Shopping, aber ich persönlich positioniere mich da anders. Überfluss kann man zwar auf viele Weisen ausleben, muss man jedoch nicht.
Ich musste mir außerdem eine neue Sonnenbrille zulegen und das Modell war etwas kostspieliger. Da durfte ich mir direkt anhören, ob ich in „Afrika“ nichts gelernt hätte. Die Leute dort seien arm und ich gäbe so viel für eine Sonnenbrille aus. Ich habe sehr wohl was gelernt und zwar, dass ich lieber einmal etwas mehr in Qualität investiere, das Teil dann sorgfältig behandle und lange Freude daran habe, statt alle paar Monate eine schlechtsitzende Sonnenbrille zu kaufen, der kurz darauf schon ein Bügel fehlt. Die Ghanaer kaufen sich teilweise alle paar Monate neue Flipflops und Bleistifte, wenn die alten grade mal halblang sind. Weil sie einfach keinen Wert auf ihre Dinge legen und diese dann kaputt gehen. Das ist weder gut für den Geldbeutel, noch für die Umwelt oder die Wirbelsäule.
Globalisierung
Noch so ein Thema, zu dem ich mir viele Gedanken gemacht habe. Man sagt ja gerne „Die Welt ist ein Dorf“, doch das sehe ich überhaupt nicht so. Leute, denen ich von Ghana erzähle, gestehen mir, dass sie sich trotzdem kein Bild davon machen können. Anders herum ist das natürlich genauso. Und obwohl ich jetzt lange in Ghana gelebt habe, verstehe ich vieles immer noch nicht, weil ich manche Dinge mit meiner Erziehung und dem kulturellen Hintergrund einfach nie verstehen können werde. Basta. Da kann man nicht sagen, die Welt würde winzig werden. Das stimmt bestimmt auf Europa bezogen oder wenn man will auch bezüglich der westlichen Welt, aber wir haben schließlich alle dieselben kulturellen Ursprünge. Selbst  Australier und US-Amerikaner haben europäische Wurzeln. Wenn wir von fremden Kulturen sprechen, müssen wir uns eingestehen, dass wir nicht gleich sind. Genetisch schon, ich bin nicht rassistisch, aber unsere Mentalitäten unterscheiden sich so stark, dass eine Verallgemeinerung oder ein gemeinsamer Weg in die Zukunft im Sinne einer Globalisierung unmöglich ist. Ich behaupte auch nicht, jetzt „Afrika“ zu kennen. Ich kenne Ghana und das ist nur eines von 56 Ländern auf dem Kontinenten.
Außerdem habe ich mir vorgenommen, noch mehr Länder zu bereisen, sobald meine Gesundheit das zulässt. Denn erst so kann man andere Kulturen verstehen, Mauern aus Vorurteilen einreißen und den eigenen Horizont erweitern. Ghana war da auf jeden Fall ein Dominostein, der eine Kettenreaktion in mir ausgelöst hat. Natürlich war ich schon immer neugierig auf Reisen, fremde Kulturen und hatte Spaß daran, aber erst jetzt habe ich begriffen, wie wichtig es für die persönliche Entwicklung und die „Globalisierung“ ist. Nur durch kulturellen Austausch und Verständnis können die Völker in der Welt friedlich und kooperativ zusammen leben und für jedes einen individuellen Nutzen schaffen. Aber genug davon, das Thema ist sehr vielschichtig und dieser kurze Abriss sollte fürs Erste genügen.

Du siehst, ich habe viele schöne Eindrücke in meiner Heimat gesammelt und ich bin unendlich froh, wieder dort zu sein. Viele Dinge behandle ich wertvoller, sanfter oder auch kritischer. Man kann sagen, ich schätze sie mehr, aber das trifft es nicht ganz. Ich habe mein Bewusstsein für meine Umgebung geschärft. Dadurch sind mir auch einige Dinge aufgefallen, die ich nicht tolerieren will. Andere können handeln wie sie meinen, das liegt in ihrer Verantwortung, aber ich will mein Leben mehr in die Hand nehmen und bewusster mit Konsum, Äußerlichkeiten und globalem Denken umgehen. Das sind nur ausgewählte Aspekte, ich sehe noch mehr Baustellen, aber für manche muss ich wohl noch mehr von der Welt gesehen haben, um wirklich darüber argumentieren zu können. Jetzt aber bin ich erstmal daheim und genieße die unendlichen Möglichkeiten mein Leben zu gestalten, denn das hat mir meine Zeit in Ghana wirklich gelehrt. Dass ganz einfach Möglichkeiten (für mich sozusagen die „basics“) der Schlüssel zum Glück sind.
Ob und wie du sie nutzt liegt ganz bei dir.

Patricia

Mittwoch, 30. März 2016

West Hills, Tränen und Dutyfree - Meine letzten Tage in Ghana


Ich entschuldige mich gleich vorneweg. Dieser Eintrag kommt leider etwas spät und das tut mir auch sehr leid. Ich habe seit meiner Ankunft daheim so vieles um die Ohren gehabt (Ostern, Freunde und Bekannte treffen, Studienvorbereitungen etc.), dass ich nicht dazu kam, meinen Blogpost zu schreiben. Aber hier kommt er endlich. Viel Spaß damit!

Am Freitag bin ich unheimlich früh wach geworden, weil es in meinem Zimmer so ruhig war. Nach den beiden Wochen zusammen mit meinen Eltern in einem Zimmer, habe ich mich an  ihr Atmen im Schlaf gewöhnt und jetzt, wo es plötzlich nicht mehr da war, konnte ich nicht schlafen. Also habe ich mir Frühstück vorbereitet und mich ins Esszimmer gesetzt. Kojos Frau Esther hat sich zu mir gesetzt und wir haben uns etwas unterhalten. Ich kenne sie erst seit ein paar Tagen, denn sie ist Französischlehrerin an einem Internat und deshalb nie daheim. Desto schöner finde ich es, dass ich sie in meinen letzten Tagen noch kennenlernen und ihre Anwesenheit genießen konnte. Sie ist eine weltoffene Frau und gute Gesprächspartnerin, weshalb ich ihre Gegenwart schätze.
Später hat Kojo frisches Zitronengras und Basilikum aus dem Garten geholt und daraus einen Tee aufgekocht. Mit der heißen Tasse hab ich mich dann in mein Zimmer gesetzt und an einem Fotoalbum für ihn gebastelt. Meine Eltern haben mir einen Rohling und die entsprechenden Fotos aus Deutschland mitgebracht, die ich dann eingeklebt und mit Texten versehen habe. Ich hoffe Kojo freut sich über diese Überraschung!
Am Nachmittag kam Sandra an, denn sie wollte mich am Samstag zum Flughafen begleiten. Ich hab sie seit unserem Wochenende in Accra Anfang März nicht mehr gesehen und hab mich deshalb riesig auf sie gefreut! Wir waren zusammen in Swedru unterwegs und haben abends Yams mit Palaver Sauce gekocht, was vorerst meine letzte ghanaische Speise werden sollte! Danach haben wir den Abend mit einem Film ausklingen lassen, wobei ich übermüdet von den letzten Wochen nach kaum 10 Minuten weggeschlafen bin.
Samstag war der große Tag und deshalb habe ich schon morgens in Sandras Blick ihre Stimmung ablesen können. Um sie zu erheitern hab ich Obst aus dem Garten aufgeschnitten und wir haben lecker gefrühstückt. Dann ging es nach Accra in die West Hills Mall, wo wir uns mit Paula treffen wollten. Der Abschied von Kojo war recht knapp, weil er zu einem Kirchenprogramm musste und spät dran war. Ich hab ihm mein Fotoalbum gegeben, wofür er sich bedankt hat, und selbst ein paar ghanaische Dinge von ihm bekommen. Die Luft war schon vormittags unangenehm heiß, weshalb das Einkaufszentrum eine Wohltat war. Wir haben ein bisschen gebummelt, in einem Café getratscht und ich hab mich beim Optiker beraten lassen, weil meine Sonnenbrille doch den Sonntag davor in Winneba baden gegangen ist. Der Mittag war super! Am späten Nachmittag sind wir dann mit dem Trotro quer durch Accra zum Flughafen gefahren. Vor dem Gebäude war eine ewige Schlange, weil infolge der Anschläge in Brüssel und der Elfenbeinküste jetzt ein Metalldetektor in den Türen des Flughafens steht. Die Mädels haben mich bis zur letzten Minute begleitet und mit jedem Schritt nach vorne habe ich gemerkt, dass die beiden mehr in sich kehrten. Ich habe versucht, sie zu abzulenken, aber die beiden waren nicht aufzuheitern. Es war traurig, weil ich mich so sehr auf Deutschland gefreut habe und gut drauf war, die beiden aber zurücklassen musste. Wir haben in Ghana so viel durchgestanden, dass es komisch sein wird, sie auf einmal nicht mehr jedes Wochenende zu sehen. Außerdem habe ich in ihren Augen gesehen, wie gern sie jetzt auch ein Ticket nach Deutschland in der Hand gehalten hätten. Dann wurde es höchste Zeit und wir mussten uns voneinander verabschieden. Sandra musste weinen, ich konnte es kaum ertragen. Dann habe ich sie nur noch fortlaufen sehen, bevor ich mich durch das Gewusel im Eingangsbereich gedrängt habe. Der Flughafen war irgendwie lächerlich. Der Check-In war etwa so groß wie eine Turnhalle und statt Restaurants, Souvenirläden und Kleidershops war da nur eine Kneipe und der Weg zu den Toiletten. Ich musste durch den Gesundheitscheck, die Passkontrolle und einen weiteren Metalldetektoren, bevor ich dann im Duty Free Bereich stand. Der war nicht größer als der Check-In, dafür aber doppelt so teuer wie dieselben Produkte im deutschen Einzelhandel. So viel zum Thema günstige Flughafenschnäppchen! Ich hatte noch vier Stunden bis mein Flug gehen sollte, also habe ich einen Flug geschaut und geschlafen. Die Zeit verging schnell und um 21.30 konnte ich schon boarden. Die kleine Flugzeugkabine war so kalt, dass man den eigenen Atem gesehen hat (ein Spektakel für mich) und deshalb habe ich mich sofort auf meinem Platz zugedeckt. Ich wollte ja keine Erkältung an Ostern haben. Fast alle Passagiere an Bord waren Spanier, denn mein Zwischenstopp war Barcelona. Die Stewardess hat sich noch freundlich nach meinem Wohlergehen erkundigt, aber schon bevor der Flieger abgehoben hat, habe ich schon wieder die Augen geschlossen und bin eingeschlafen.

Die letzte Zeit mit meinen Freundinnen in Ghana war wirklich schön. Sie haben meinen Abschied zu einem Fröhlichen für mich gemacht. Wenn ihr das hier liest, dann fühlt euch gedrückt und gedankt von mir. Wahrscheinlich war ich nur deshalb so entspannt und ohne Aufregung auf meinem Flug nach Hause, weil sie mir ebenso ein Zuhause waren – ich also praktisch nur von einem lieben Ort an den nächsten gereist bin. Ich vermisse die beiden sehr und trotzdem bin ich auch sehr glücklich, wieder zurück bei meiner Familie und meinen jahrelangen Freunden zu sein. Ich weiß nicht mehr, was ich im Flieger nach Barcelona geträumt habe, aber es war bestimmt eine bunte Mischung aus meinen Erinnerungen an Deutschland und meinen Erfahrungen in Ghana. Und es war auf jeden Fall schön.

Freitag, 25. März 2016

Red Red - Ghanaisch kochen


Besser als kein Bild: Eine halb aufgegessene Portion Red Red

Weiter geht’s mit ghanaischen Rezepten und heute habe ich für dich ein sehr leckeres für dich. Red Red besteht aus frittierten reifen Kochbananen, die mit Bohnenstew gereicht werden. Der Name Red Red (zu Deutsch: rot rot) leitet sich von der roten Farbe der in rotem Palmöl frittierten Kochbananen und dem ebenso rotem Stew ab. Die Kombination aus der süßen Kochbanane und den deftigen Bohnen finde ich genial und deshalb zeige ich dir heute, wie man das zubereitet.

Du brauchst:
8 reife Kochbananen (2 pro Person)
                Dass sie reif sind erkennst du daran, dass die Schale tiefgelb bis braun ist.
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1-3 Chilischoten, je nach gewünschtem Schärfegrad
3 Tomaten
200g weiße Bohnen
Salz
rotes Palmöl

Zuerst kochst du die weißen Bohnen. Damit es schneller geht, kannst du sie über Nacht in Wasser einlegen oder direkt welche aus der Dose benutzen.
Die Zwiebel und den Knoblauch schälst du und pürierst sie zusammen mit den Chilischoten zu einer homogenen Masse. Dann erhitzt du in einem Topf eine kleine Menge Palmöl und dünstest die Zwiebelmasse darin an.
Püriere auch die Tomaten, gebe sie hinzu und schmecke alles mit Salz ab. Lasse es etwas einköcheln und gebe dann auch die Bohnen hinzu.
Der Stew ist jetzt fertig, weiter geht’s mit den Kochbananen.
Erhitze in einer Pfanne einen Daumen hoch rotes Palmöl, um die Kochbananen darin zu frittieren.
Schneide die Schale der Kochbananen längs auf und schneide sie noch in der Schale in schräge daumendicke Scheiben. In der Schale geht es einfacher, weil die weichen reifen Kochbananen auf dem Schneidebrett schnell zerdrückt werden würden. Du kannst sie dann direkt aus der Schale in das heiße Öl geben. Brate sie für wenige Minuten an, bis sie goldbraun sind. Hole die Scheiben aus dem Öl und lasse das überschüssige Öl abtropfen.
Serviere die Kochbananen noch warm mit dem Bohnenstew. Guten Appetit!

Für dieses Rezept sind ausnahmsweise tropische Lebensmittel obligatorisch, weil es ohne Kochbananen und dem süßlichen Geschmack des roten Palmöls ganz anders schmecken würde. Ich hoffe, du probierst das Rezept trotzdem mal aus, denn die Mühe lohnt sich wirklich. Viel Erfolg dabei und bis bald.

Patricia

Einmal quer durch Ghana - Reisen mit meinen Eltern



Vor anderthalb Wochen kamen meine Eltern in Ghana an um mich zu besuchen. Wir sind zusammen gereist und haben dabei viele, auch für mich neue, Orte gesehen und Erlebnisse geteilt. Wie versprochen kommt hier meine Zusammenfassung unserer Reise.

Am Samstagabend bin ich mit dem Taxi nach Accra gefahren, um meine Eltern vom Flughafen abzuholen. Ich war so aufgeregt, dass ich schon wieder seelenruhig wurde und als ich die beiden dann in der Ankunftshalle entdeckt habe, bin ich ungehalten auf sie zu gerannt. Meine Mutter war wie erwartet sehr emotional, mein Vater aber hat unsere Wiedervereinigung schon viel entspannter genommen. Nachdem wir ihre Koffer verladen haben, sind wir nach Swedru gefahren, wo wir gegen Mitternacht todmüde in unsere Betten gefallen sind.
Am Sonntagmorgen sind wir rausgegangen, um heißen Kokoo mit Kosi und Togbe zu besorgen. Ich fand es wie immer superlecker, meine Eltern aber konnte ich nicht dafür begeistern. Wir haben danach die Stadt erkundet, bevor wir ein Trotro nach Akosombo genommen haben. Dort angekommen war es schon fast dunkel und meine Eltern hatten ihre erste mehrstündige Trotro-Erfahrung gesammelt, auf die im Verlauf der Reise noch seeehr viele weitere folgen sollten. Wir hatten in der Aylos Bay Lodge ein sehr schönes  Bungalow direkt auf dem Voltasee gebucht, das uns allen sehr gefallen hat und das wir nach einigem Hin und Her mit dem Management auch endlich beziehen konnten. Abends gab es dann Jollof und Ampesi mit Palaversauce und dazu lange Gespräche.
Am Montag wollten wir die Voltafähre von Akosombo nach Yeji nehmen, weshalb mein Vater und ich früh morgens ins zuständige Büro gefahren sind, um uns eine 1.Klasse Kabine (98 Cedi für zwei) zu buchen. Im strömenden Regen ging es Ewigkeiten und Irrwege, bis wir endlich am Ziel ankamen und dann die Enttäuschung: Die 1.Klasse ist ausgebucht und in der 2. darf man auf dem Boden schlafen. Ich hab mich mit dem Sekretär gut gestellt und ihn gebeten, mich bei einer Planänderung zu informieren, andernfalls würden wir Wohl oder Übel eben die 2. Klasse (22 Cedi pro Kopf) buchen. Schließlich müssen wir irgendwie in den Norden Ghanas kommen. Als es aufgehört hat zu regnen, haben wir uns vorsichtshalber in Atimpoku Matratzen gekauft, falls die 1.Klasse ausgebucht bleiben würde. Mittags sind wir dann mit gepackten Sachen an den Hafen gefahren, wo uns noch mal versichert wurde, dass die 1. Klasse nicht verfügbar sei. Also habe ich meine charmante Art spielen lassen, mir das gesamte Büro zum Freund gemacht und kaum anderthalb Stunden später hatten wir Karten für die 1. Klasse in der Hand! Um 18.30 Uhr statt angekündigt 16.30 Uhr legte die Yapei Queen dann ab und bewegte sich mit entspannten 14 km/h in den Norden. Wir haben derweil in der Kantine der Fähre zu Abend gegessen. Banku mit Okraschoten-Stew und frittiertem Fisch für 5 Cedi, find ich absolut ok! Später habe ich dann noch entdeckt, dass man auf das Dach klettern kann, wovon aus wir den Sternenhimmel betrachtet haben. In der zugegeben etwas kleinen aber ausreichenden „First Class“ Kabine haben wir schließlich unsere Extramatratze ausgebreitet, die Klimaanlage angemacht und sind glücklich eingeschlafen.
Der nächste Tag begann für mich mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang hinter den Bergen von Kpandu. Die Fahrt war ja an sich schon ein absolutes Abenteuer, aber die glühend rote Sonne hat wirklich alles getoppt! Zum Frühstück gab es in der Kantine nur Brot und Omelette, aber weil das nicht mein Favorit ist, hab ich mich mit dem Kapitän angefreundet und er hat mir seine Portion Kokoo geschenkt.

Ich klinge hier  bestimmt nach einem Schmarotzer, aber ehrlich gesagt kommt man in Ghana nur mit viel Gesülze und oberflächlicher Freundlichkeit reibungslos durch. Viele Leute versuchen Obronis Unannehmlichkeiten zu bescheren, indem sie überhöhte Preise angeben, schlechten Service bieten oder auf sprachliche Missverständnisse setzen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Aufregen und Beleidigen macht alles nur schlimmer und anstrengender, deswegen setze ich auf Charme und Sympathie und es funktioniert, wie du siehst, wirklich!

Nach dem leckeren Frühstück hatten wir einen langen und ruhigen Tag vor uns, denn auf dem Schiff konnte man nichts unternehmen. Gegen 12 Uhr haben wir in Kete Krachi angelegt, wo meine Mutter und ich frische Bofrots gekauft haben. Später sind mein Vater und ich noch im Voltasee schwimmen gegangen und wurden dafür von der kompletten Besatzung wie Helden verehrt. Vielleicht erinnerst du dich, dass die meisten Ghanaer nicht schwimmen können. Eigentlich wollten wir uns mit der Aktion etwas abkühlen, denn die Dusche war so ekelig, dass ich mich darin nicht waschen wollte, jedoch war das Wasser im See körperwarm und damit genauso unangenehm. Wir sind trotzdem etwas darin geschwommen und dann auch schon zurück aufs Schiff und in die klimatisierte Kabine gegangen. Gegen 16 Uhr haben wir abgelegt und sind weitergefahren. Das Wasser im Voltasee war gespickt von unzähligen Baumstämmen, die von der Vegetation vor der Flutung des künstlichen Stausees zeugen. Es war wirklich beeindruckend! Am Abend hat es angefangen heftig zu regnen und am Himmel zuckten bunte Blitze. Wir haben derweil in unserer Kabine Kartenspiele gespielt, denn der Wind hätte mich Leichtgewicht ohne Mühe vom Deck gehoben. Nachts haben wir kleinere Häfen angesteuert, an denen einzelne Passagiere ausgestiegen sind, bis wir gegen 1 Uhr nachts Yeji erreicht haben. Wir durften zum Glück bis 4 Uhr weiterschlafen, bis die Fähre ihre Rückreise nach Akosombo starten würde. Also sind wir frühmorgens aufgestanden und sind in der Dunkelheit und Kühle an einem Hafen ausgestiegen, der mehr Strand als Hafen war. Die Fähre hat lediglich die Heckklappe im Sand runtergefahren und von dort aus sind wir durch ein absolutes Nichts gelaufen.
Im Ort haben wir glücklicherweise sofort ein Taxi in das nächste Dorf gefunden, von wo aus wir ein privates Trotro nach Kintampo genommen haben. Ich hab mir natürlich für die Fahrt heißen Kokoo geholt und mich gewundert als meine 50 Pesewas Portion so groß war wie eine für 1,20  Cedi! Ich hab dann etwas Schlaf nachgeholt, als der Fahrer plötzlich anhielt und meinte, er könne nicht mehr weiterfahren. Also mussten wir in ein praktisch fahruntüchtiges Taxi ohne Innenverkleidung und stechendem Benzingeruch umsteigen, in dem meine Mutter das kalte Grausen bekommen hat. Der Alptraum war nach einer Stunde aber auch schon zu Ende, als sich hinter der Pampa Kintampo aus dem Staub erhob. Und schon ging unsere Abenteuerreise weiter. Von Kintampo nach Tamale war schnell ein Trotro gefunden, doch bis es voll war, war es schon 11 Uhr. Zwei Stunden fuhren wir Richtung Tamale, bis wir an der Damongo Junction in Fufulso Richtung Mole National Park ausstiegen. Wir haben uns Mittagessen geholt und dann hieß es wieder warten. Nach gut zwei Stunden aufs nächste Trotro warten haben wir den Militärpolizisten Ali kennengelernt, der uns in seinem Mercedes nach Mole gefahren hat. Meine Eltern waren erst skeptisch bei einem fremden Mann mitzufahren, doch ich hab sie beruhigt, denn ich hab gelernt, dass Ghanaer ihr Wort halten und vertrauenswürdig sind. Die Landschaft im Norden war fantastisch. Überall trockene Savanne, unendliche Horizonte und obligatorisch „afrikanische“ runde rote Lehmhütten. Außerdem viele Moscheen und Kopftücher, denn die meisten Nordghanaer sind Muslime. Als wir in Mole ankamen, waren wir schon geschlagene 12 Stunden auf den Beinen und dabei war es gerade mal 16 Uhr! Wir waren unheimlich froh, als wir uns in unserem Zimmer ausbreiten konnten und endlich kühl duschen konnten! Zum Abendessen gab es für 40 Cedi die Portion SEHR teures Essen, doch wir hatten nichts anderes erwartet, denn das Hotel hat ein Monopol und das nächste Dorf ist knapp 6km entfernt, da werden die Preise eben angehoben. Dafür hatten wir einen Ausblick auf eine Wasserstelle, in der sich Elefanten gewaschen haben, frei rumlaufende Warzenschweine und freche Baboos.
Am Donnerstagmorgen haben wir eine Safari im Jeep gemacht, bei der wir einen netten Niederländer kennengelernt haben. Wir haben so manche Savannentiere angetroffen und darunter besonders viele Antilopen. Außerdem Krokodile, Elefanten, Eisvögel, Savanneneichhörnchen und noch paar mehr. Als wir zurückkamen, sind wir sofort die 6km nach Larabanga gewandert, um die berühmte Larabanga Moschee zu besichtigen. Es war anstrengend anderthalb Stunden in der prallen Sonne zu laufen, aber irgendwie auch sehr schön. Die Moschee selbst war sehr beeindruckend und schon lange ein Must-See für mich. Weil es am Nachmittag wirklich heiß war, haben wir uns mit dem Taxi wieder reinfahren lassen und die Hitze dann am hoteleigenen Pool ausgeharrt. Dort haben wir viele andere Deutsche und eine Ghanaerin kennengelernt und eine Menge interessanter Gespräche geführt.
Am Freitag haben wir uns zum  Frühstück mit dem Niederländer verabredet und sind dann gemeinsam nach Kintampo gefahren, um uns die Kintampofälle anzusehen. Die Wasserfälle waren unglaublich schön und haben meine Erwartungen weit übertroffen. Er blieb dann in Kintampo und wir haben uns auf den Weg nach Kumasi gemacht. Kaum an der Trotro Station angekommen, haben wir ein Fahrzeug bekommen und die Fahrt ging los. Drei Stunden Richtung Süden und man konnte mit jedem Kilometer förmlich  mitverfolgen, wie die Landschaft von Savanne in Regenwald übergeht. Wir wurden dann im Getümmel und Regen von Kumasi rausgeworfen und mussten uns einen Weg durch das Markttreiben kämpfen. Wir kamen übermüdet und hungrig im Sanbra Hotel an, in dem ich schon öfter gegessen habe und schon wieder ging alles schief. Der Raum war dreckig, ohne fließend Wasser, Schimmel im Kühlschrank, ohne Klimaanlage und kaputtem Fernseher - für 130 Cedi die Nacht! Egal, zuerst haben wir unsere leeren Mägen mit leckerem Essen gefüllt und dann unsere Sachen gepackt und das Hotel verlassen. Ich kannte zum Glück noch eine Jugendherberge, die wir dann angesteuert haben. Die war zwar ausgebucht, wir haben aber eine große Extramatratze bekommen und uns damit in den Schlafsaal zu paar deutschen Jugendlichen gelegt. Wir haben uns alle schnell angefreundet und die gute Stimmung hat mich die Enttäuschung mit dem Hotel vergessen lassen. Außerdem hat der Inhaber des Hostels mich noch gekannt und deshalb mussten wir die Übernachtung nur für meine Eltern zahlen.
Der Samstag war ein anstrengender Tag. Nach einem sehr entspannten Frühstück von einer sehr talentierten Köchin sind wir zur Trotro Station gelaufen, um nach Swedru zu fahren. Dort durften wir dann geschlagene 3,5h warten, bis das Fahrzeug um 12 Uhr endlich voll und bereit zum Abfahren war. Die Fahrt war sehr heiß und fünf Stunden auf den harten Sitzpolstern waren wirklich kein Spaß! Als wir ankamen, haben wir auf dem Weg nach Hause nur noch einen Stoff und Lebensmittel gekauft, damit ich für meine Eltern Abendessen kochen konnte.  Der erste Teil unserer Reise war unfassbar anstrengend, deshalb haben wir uns einfach nur noch ins Bett fallen lassen und geschlafen.
Denn am Sonntag wollten wir einen Strandtag machen. Wir haben uns mit einer meiner Freiwilligen verabredet und sind zusammen nach Winneba gefahren. Davor haben wir meiner Schneiderin noch kurz unseren Stoff vorbeigebracht und sie dafür aus dem Gottesdienst geklingelt. Der Tag war super entspannt, weil der Strand wie immer leer war und wir uns mit Paula über die vergangene Woche austauschen konnten.
Am Montag haben meine Eltern und ich meine Schule besucht, wo wir mit einem Programm aus Gebeten, Reden und Tanzeinlagen willkommen geheißen wurden. Meine Eltern haben alles genossen und vor allem, dass sie endlich Stephen kennenlernen konnten. Dann haben wir einen Koffer an Sachspenden verschenkt und uns auf die Weiterfahrt nach Cape Coast gemacht. Der Tag war sehr heiß und sobald wir eingecheckt hatten, haben wir unsere Badesachen angezogen und sind ins Wasser gegangen. Die Wellen waren riesig und haben meinen Vater und mich nicht nur einmal von den Füßen gehauen. Aber es war super erfrischend und ich hab es genossen. Außerdem haben wir unsere Freunde aus der Unterkunft in Kumasi wieder getroffen, die ebenfalls im Ozean baden gegangen sind. Abend sind dunkle Wolken aufgezogen und kaum 10 Minuten später hat es geschüttet. Trotzdem hab ich meine Eltern durch die Stadt in eine Chop Bar geführt, die ich im Dezember mit meiner Schwester entdeckt habe. Als der Regen dann aufgehört hat, haben wir den Abend in der Hotelbar mit Getränken und Kartenspielen ausklingen lassen.
Dienstmorgen haben wir wieder Programm geplant und sind deshalb mit dem Taxi nach Junkwa in den Kakum National Park gefahren. Die Brücken habe ich zwar schon zwei Mal überquert, aber für meine Eltern bin ich gerne auch ein drittes Mal dort gewesen. Auch noch beim dritten Mal war es ein außergewöhnliches Erlebnis und besonders meinen Eltern hat es gefallen. Den kompletten Mittag haben wir dann am Strand gelegen, die Wellen geritten und noch mehr Deutsche kennengelernt. Am Abend haben wir außerdem mit unseren Freunden aus Kumasi im Hotelrestaurant gegessen.  Ich hatte einen vegetarischen Burger und es war superlecker!
Am Mittwoch mussten wir unser schönes Bungalow am Ozean leider schon wieder verlassen und sind zurück nach Swedru gefahren, denn meine Eltern würden am Donnerstag schon fliegen. Wir haben unsere Kleider bei der Schneiderin abgeholt, die Koffer gepackt und sonst einen entspannten Tag genossen. Am Abend hat Kojo RedRed aufgetischt. Frittierte Kochbananen mit Bohnenstew – lecker!
Donnerstagmorgen hat uns dann auch schon das Taxi abgeholt, um meine Eltern nach Accra zu fahren und ich kam mit, um sie zu verabschieden. Der Verkehr in der Hauptstadt war wie immer dicht wie der Regenwald, weswegen wir ewig im Wagen saßen. In Osu haben wir noch schnell mein persönliches Souvenir an mich selber, eine Kette aus ghanaischem Gold, abgeholt und sind dann zum Flughafen gefahren. Vor der Abflughalle haben wir das Taxi entladen und ich habe zum letzten Mal meine Eltern in den Arm genommen. Es war eigentlich nicht mal traurig, weil ich weiß, dass ich sie schon am Sonntag wieder sehen werde. Die ganze Rückfahrt nach Swedru habe ich breit vor mich hin gegrinst – mit der Vorfreude im Kopf, dass auch ich in zwei Tagen in der Abflughalle stehen werde!

Dieser Post ist verdammt lang geworden, aber es gibt einfach so vieles über die letzten Wochen zu erzählen und ich wollte nichts auslassen. Wir haben wirklich liebe Bekanntschaften geschlossen, faszinierende Orte gesehen und einmalige Erfahrungen gesammelt. Die Zeit mit meinen Eltern war für mich ein schönes Highlight für meine Zeit in Ghana und ich bin glücklich, dass alles gut gelaufen ist. Ich melde mich bald wieder und erzähle dir dann von meinen letzten Tagen in Ghana.
Bis bald!

Patricia